Imagefilm über das ThürAZ: Doppelklick auf das Foto

Aufgabe

Das Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk” (ThürAZ) wurde 1991 zunächst unter dem Namen Matthias-Domaschk-Archiv Jena gegründet. Träger war und ist der Verein Künstler für Andere e.V., der aus der gleichnamigen Jenaer Gruppe der DDR-Opposition hervorgegangen ist. Die Gründung des Archivs stand in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der breiten gesellschaftlichen Debatte um die Funktion und Wirkung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Es diente zunächst der Aufbewahrung der Materialien der Repression in der SED-Diktatur, so etwa von Kopien der Akten des MfS.

Spätestens ab Mitte der 90er Jahre erfolgte ein Funktionswandel in der Arbeit des Archivs. Im Mittelpunkt der Sammlungstätigkeit des ThürAZ stehen seitdem die Überlieferungen der Opposition und des Widerstandes selbst. Dabei handelt es sich in der Regel um Egodokumente (s.a. Bestandsprofil).

Öffnungszeiten

Dienstag 9-15 Uhr 

Donnerstag 9-18 Uhr

sowie nach Vereinbarung

 

Telefonische Erreichbarkeit:

Mo, Di, Mi, Fr 9-15 Uhr

Do 9-18 Uhr

Aktuelles

Das ThürAZ trauert um Christian Sachse

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Christian Sachse, einem herausragenden Historiker, engagierten Menschenrechtler und langjährigen Wegbegleiter unserer Arbeit. Sein Tod bedeutet für uns den Verlust eines Wissenschaftlers, dessen Stimme weit über die historische Forschung hinaus Gewicht hatte, weil sie stets den Menschen galt, die Unrecht erfahren hatten.

Christian Sachse verband wissenschaftliche Präzision mit einem tiefen Verantwortungsgefühl gegenüber den Betroffenen politischer Verfolgung und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Bereits in den 1980er Jahren engagierte er sich als Mitbegründer des oppositionellen Netzwerks Arbeitskreis Solidarische Kirche, begleitete Wehrdienstverweigerer und Bausoldaten und setzte sich für Frieden, Menschenwürde und politische Selbstbestimmung ein.

Nach der Friedlichen Revolution widmete er sein berufliches Leben der Erforschung der SED-Diktatur und ihrer Folgen. Seine Arbeiten zur Wehrerziehung in der DDR, zur Opposition sowie insbesondere zur Geschichte der DDR-Heimerziehung gehören zu den grundlegenden Beiträgen der Aufarbeitung. Mit großer Beharrlichkeit erschloss er Quellen, dokumentierte Schicksale und machte lange übersehene Strukturen sichtbar. Seine Expertise zum sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in der DDR setzte wichtige Impulse für die wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Seit dem Start unseres Projektes DENKOrte in Thüringen im Jahr 2020 war Christian Sachse ein unverzichtbarer Partner. Er begleitete unsere Arbeit mit seiner fachlichen Expertise, seinem Rat und seinem unermüdlichen Einsatz für die Anliegen der Betroffenen. Wer mit ihm zusammenarbeitete, erlebte einen Menschen, der Wissen teilte, Menschen zusammenbrachte und Debatten anstieß. Bei aller fachlichen Genauigkeit verlor er nie den Blick für das Menschliche.

Mit Christian Sachse verlieren wir einen herausragenden Forscher, einen streitbaren Geist und einen leidenschaftlichen Verfechter der Aufarbeitung von Unrecht. Sein Wirken hat Spuren hinterlassen, die bleiben werden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Lieber Christian,

das ist der erste Nachruf, den ich schreiben muss. Und ausgerechnet auf dich.

Noch immer ist es kaum zu begreifen. Ich verliere nicht nur einen geschätzten Kollegen, sondern einen guten Freund, einen Berater und einen Gesprächspartner, den ich zu fast jeder Tages- und Nachtzeit anrufen konnte.

Wir haben uns oft heimlich darüber gefreut, wenn wir wieder einmal an denselben Themen arbeiteten, du für Sachsen oder Berlin und ich für Thüringen. So etwa bei unseren Forschungen zu den Jugendhäusern in der DDR, die schließlich 2023 in einem gemeinsamen Kongress in Erfurt mündeten. Und zuletzt beim Thema Menschen mit Behinderungen in der DDR. Du hast damals gesagt: „Die hatten es wirklich schlecht. Um die muss ich mich vor der Rente noch kümmern.“ Dieser Satz begleitet mich heute besonders.

Wenn ich mich entschuldigte, weil ich schon wieder spätabends mit einer Idee oder einer Frage anrief, hast du zum Abschied meist gelacht und gesagt: „Ach, meine Gute, das ist schon recht so. Die Aufarbeitung schläft nie.“

Du fehlst.

Text und Bild: Stefanie Falkenberg

Biermann ohne Biermann

Ein Konzert im 90. Lebensjahr Wolf Biermanns und zum 50. Jahrestag seiner Ausbürgerung

mit Ekkehard Maaß an Harmonium und Gitarre

 

Mittwoch, 18. November 2026, 19 Uhr

ThürAZ, Dornburger Straße 143, 07743 Jena

 

Als Zeitzeuge und langjähriger Freund seit 55 Jahren stellt Ekkehard Maaß den Dichter und Komponisten Wolf Biermann vor. Er interpretiert die schönsten, zum Teil unbekannten Biermann-Lieder vor dem Hintergrund persönlicher und politischer Ereignisse. Er präsentiert dabei politische Liebes-, Lebens- und Friedenslieder und erzählt ihre Geschichten.

Ekkehard Maaß erlebte die Ausbürgerung Wolf Biermanns hautnah. Für das Sammeln von Unterschriften wurde er von der Humboldt-Universität Berlin relegiert.

Daraufhin gründete er nach dem Vorbild der Biermann‘schen Wohnung in der Chausseestraße einen Literarischen Salon in Ostberlin, den es bis heute gibt. Er organisierte darin mehr als 150 Veranstaltungen zu den Themen DDR-Geschichte, Russland, Armenien, Belarus, Israel, Georgien und Ukraine.

Für sein gesellschaftliches Engagement wurde er 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Wir laden herzlich zu der Veranstaltung ein, die das ThürAZ in Kooperation mit der Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin umsetzt. 

Crowdfunding-Aktion: Stadtmosaik

Heute um 10 Uhr startet unsere Crowdfunding-Aktion für das STADTMOSAIK - zusammen mit der Geschichtswerkstatt Jena und dem Verein für Jenaer Stadt- und Universitätsgeschichte.

⚡️ Passend zum Motto „Energie freisetzen“ der Stadtwerke möchten wir mit einem Sonderheft der #gerbergasse18 mosaikartig Leerstellen und Lücken im Stadtbild füllen.

🙏 Jede Spende hilft: https://www.jena-crowd.de/stadtmosaik

 

Worum geht es in diesem Projekt?

Energie wird auch durch Fragen und Diskussionen freigesetzt. Es ist eine gesellschaftliche Energie, die wir für das demokratische Zusammenleben dringend benötigen. Durch ein „Stadtmosaik“ sollen Aufbrüche, Krisen und Abgründe der jüngeren Stadtgeschichte Jenas dargestellt und in Form eines Sonderheftes der Jenaer Zeitschrift „Gerbergasse 18“ veröffentlicht werden. Aus unterschiedlichen Perspektiven und Zugängen sollen mosaikartig bestehende Leerstellen und Lücken im Stadtbild gefüllt werden.

Hinter der Umsetzung der Sonderausgabe steht ein buntes Redaktionsteam und mehrere Jenaer Vereine (Thüringer Archiv für Zeitgeschichte, Verein für Jenaer Stadt- und Universitätsgeschichte, Geschichtswerkstatt Jena), die das Mosaik gemeinsam zusammensetzen möchten. Für eine professionelle Herstellung des gedruckten „Stadtmosaik“-Heftes benötigen wir die Unterstützung der Jena-Crowd. Nur durch zivilgesellschaftliches Engagement entsteht Energie.

Jede Spende ist ein Mosaiksteinchen!

Sponsoren und Förderer